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17.03.2022

Berufung und Lebensaufgabe

Geh und tu, was du wirklich zu tun liebst – und nichts anderes! Du hast so wenig Zeit.“ (Walsch: 278)

 

Wir Spirituelle bringen Freude mit auf den Arbeitsplatz, mit der Überzeugung, dass nur die Berufung die volle Erfüllung bietet. „Wenn wir eine Arbeit machen, die wir lieben, fühlt es sich nicht wie Arbeit an. Es ist einfach nur eine natürliche Verlängerung unserer selbst.“ (Ware: 125)

 

Doch viele gibt es, die sich morgens aus dem Bett quälen, um sich zu einer Arbeitsstelle zu schleppen, die unglücklich macht. Man erkennt sie an unfreundlichen Auskünften, fehlerhaften Ausführungen, unerfüllbaren Zusagen und unmotivierten Handlungen. Da Stimmungen ansteckend sind, werden solche Menschen unweigerlich zur hellen Freude ihrer Kollegen und Kunden. Und das alles aufgrund der veralteten Vorstellung, „dass Sie während der produktivsten Jahre Ihres Lebens etwas tun müssen, das Ihnen nicht gefällt. Das ist kompletter Unsinn – ein solches Opfer ist durch nichts zu rechtfertigen.“ (Ferriss: 43)

 

Die Berufung ist eine Tätigkeit, die einen Großteil der Zeit in Anspruch nimmt, mit der man im Idealfall seinen Lebensunterhalt verdient und die so großen Spaß macht, dass man sie auch ohne Bezahlung ausführen würde. Wer dieses Talent entdeckt und sich nicht ablenken lässt, wird zwangsweise zum Spezialisten auf diesem Gebiet und gut dafür entlohnt. Der deutsche Heilpraktiker und spirituelle Lehrer Kurt Tepperwein bezeichnet die Berufung als „bezahlten Urlaub für immer“.

 

Die Lebensaufgabe unterstützt noch mehr das Erwachen als die Berufung, fließt aber meist in sie mit ein, da es sich sehr oft um eine innere Überzeugung oder sogar um einen Charakterzug handelt. Häufig zeigt sich das bereits als Kind, aber spätestens, wenn man auf seiner spirituellen Reise ist. Die Lebensaufgabe soll andere Menschen aufwecken und zu mehr Glücksgefühl drängen.

Mit der Berufung und der Lebensaufgabe dient man anderen Menschen, genauer gesagt, man bietet ihnen etwas, das sie brauchen können und ihrer Weiterentwicklung hilft.

 

Ein Kellner etwa, der es liebt, Menschen zu verköstigen, ist in seiner Berufung. Seine Lebensaufgabe wird vielleicht sein, andere zum Lachen zu bringen. Diese könnte er auch als Fotograf oder Clown ausüben, aber da seine Berufung das Kellnern ist, wird er seine Lebensaufgabe hier einfließen lassen, in dem er den Gästen beim Überbringen der gewählten Getränke und Speisen kleine Witze mit serviert. Er wird nicht nur mehr Trinkgeld bekommen als ein Kollege, der nicht seine Berufung lebt, sondern seine Freude wird auch noch nachwirken, wenn die Gäste längst gegangen sind. Ebenso wird er nicht damit aufhören, wenn er seine Kellnerschürze an den Hacken gehängt hat. Er wird sich stets bemühen, Menschen zum Lachen zu bringen – auch im Supermarkt, im Schwimmbad oder beim Spaziergang. Würde er seine Berufung nicht leben und wäre beispielsweise Buchhalter, würde er seiner beruflichen Tätigkeit weniger enthusiastisch nachgehen, aber die Kunden würden ihn dennoch schätzen, weil er für sie immer einen Scherz parat hätte.

 

Aber auch eine schüchterne Kellnerin kann in ihrem Traumberuf sein. Sie wird die Gäste nicht mit Späßen unterhalten, sondern vielleicht durch besondere Blumenarrangements oder Servietten-Falttechniken. Ihre Lebensaufgabe hat dann etwas damit zu tun, dass sie Menschen mit schönen Dingen zu mehr Wohlgefühl verhilft. Sie könnte das auch als Floristin tun oder einfach nur zu Hause für ihre Familie, aber da eine Lebensaufgabe etwas ist, dem man sich nicht entziehen kann, wird sie stets in den Beruf oder idealerweise in die Berufung einfließen.

 

Die Berufung ist immer mit Kreativität verbunden. Ein Zuckerbäcker beispielsweise probiert besondere Kreationen oder Dekorationen aus. Ein Tischler lässt sich vielleicht ein hübsches Ornament einfallen. Ein Verkäufer wird seine Waren auf individuelle Weise in den Regalen präsentieren.

Man muss keine Opern komponieren, sondern eine persönliche Note einbringen und die Tätigkeit mit Liebe ausführen.

 

Hätte jeder Mensch die Möglichkeit, seine Berufung zu erkennen und auszuüben, dann würde die Arbeitswelt vor Ideenreichtum, Motivation und Schnelligkeit nur so erstrahlen. Es wäre gar nicht nötig, so viele Stunden am Tag zu arbeiten, wie man uns jetzt aufzwingt, da alles viel rascher erledigt wäre.

 

Klingt das nicht wundervoll? Warum leben wir nicht so?

Weil wir bereits als Kinder mitbekommen, wie unsere Eltern morgens grantig aus dem Haus eilen und abends noch mürrischer und müde zurück kommen. Der Vater hat keine Lust, mit uns zu spielen und die Mutter hat Kopfschmerzen. Beide erklären uns, das Leben sei hart und man bekomme nichts geschenkt. Sie verschieben bereits am Montag alle Vergnügungen auf das Wochenende und warten sehnsüchtig auf den nächsten Urlaub.

Für uns ist das also ganz normaler Alltag und wir lernen dabei eines besonders: Die Arbeit macht nicht glücklich, aber sie muss sein.

 

Durch diese einstudierten Defizite sind wir meist über 30, wenn wir erkennen, dass uns das Leben bisher enttäuscht hat. Wir bekommen ein Burnout, eine Depression oder eine körperliche Krankheit – alles aus spiritueller Sicht ein Segen, der uns sagen möchte: Nein, das muss nicht alles gewesen sein, wach auf und folge deiner Bestimmung.

Doch wir hören schlecht und werden immer unzufriedener.

Kein Wunder, dass Menschen in ihrer Lebensmitte am häufigsten zur Spiritualität finden, weil ihnen dann bewusst wird, dass voraussichtlich die Hälfte ihres Lebens vorbei ist, sie all ihre Kindheits- und Jugendträume gekillt haben und jetzt in einer nicht-erfüllenden Tätigkeit den Großteil ihres Lebens feststecken.

Ihre Seele drängt sie immer lauter zur Umkehr. Sie ist der Schlingel, der für das Burnout verantwortlich ist. Ohne sie könnten wir unser ganzes Leben unglücklich sein und es würde uns nicht stören. Aber das steht so nicht in den spirituellen Spielregeln. Und es sind alte Energien von gestern, die immer weniger auszuhalten sind. Jetzt ist es Zeit, seinem Herzen und der Freude zu folgen. „Die Menschen, die sich ihren Lebensunterhalt mit der Tätigkeit verdienen, die sie lieben, sind die, die darauf bestehen. Sie gestatten dem Leben nicht, sie nicht das tun zu lassen, was sie lieben.“ (Walsch: 256)

 

Noch etwas Merkwürdiges geht im spirituellen Kopf vor, der seine Berufung gefunden hat. Er hat nicht seine Pensionierung im Auge. Schließlich sieht er nicht ein, warum er mit einer Tätigkeit, die ihm Spaß macht, aufhören soll, nur weil er ein bestimmtes Alter erreicht hat. Aber keine Sorge, liebe Arbeitgeber, die meisten Spirituellen, die besonders große Freude an ihrer Arbeit haben, machen sich selbständig. Sie werden also nicht im achtundachtzigsten Lebensjahr in euren Büros kleben und sich weigern, in Rente zu gehen.

 

Trotzdem sind wir keine Workaholics. Wie passt das nun wieder zusammen?

Erstens haben wir noch andere Hobbys.

Zweitens erledigen wir alles weitaus schneller als die, die ihre Arbeit ungern ausführen und sich dadurch weniger begeistert und schon gar nicht laufend auf diesem Gebiet weiterbilden.

Damit sind wir gewöhnt, mehr Freizeit zu haben, denn durch gelebte Berufung und Lebensaufgabe(n) dem Seelenweg zu folgen, bringt drittens automatisch Erfolg und Belohnung. Zu arbeiten, nur um Geld zu scheffeln, ist spirituell völlig out. „Gott sagt, es ist in Ordnung, glücklich zu sein – auch bei eurer Arbeit. Eure Arbeit ist eine Aussage darüber, wer-ihr-seid. Wenn sie es nicht ist, warum tut ihr sie dann? Bildet ihr euch ein, dass ihr das müsst? Ihr müsst gar nichts.“ (Walsch: 280)

Und viertens beschenkt der Spirituelle seine Angehörigen auch sehr gerne mit gemeinsamer Zeit. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück.

Die Entscheidung für mehr Freizeit und weniger Arbeit – auch, wenn sie Spaß macht –, scheint eine kluge Entscheidung zu sein. Schließlich wurde „Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet“ im Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ (Ware: 107) auf Platz 2 gewählt.

Und man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist.

 

 

Literatur:

Ferriss, Timothy. Die 4-Stunden Woche: Mehr Zeit, mehr Geld, mehr Leben; Ullstein Verlag, 2017

Tepperwein, Kurt. Nie mehr arbeiten! Bezahlter Urlaub für immer. Der Vermögens-Ratgeber; Amra Verlag, 2019

Walsch, Neale Donald. Gespräche mit Gott, Band 1. Ein ungewöhnlicher Dialog; Goldmann Verlag, 1997

Ware, Bronnie. 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden; Arkana Verlag, 2013

© Danny Lupp / www.himmelsrichtung.net