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Von großen und kleinen Wundern
- eine Weihnachtsgeschichte

In der Vorweihnachtszeit wird viel geredet - über Geschenke, das Weihnachtsessen, die Verwandtschaftsbesuche und den Stress, den das alles mit sich bringt. Das Hauptthema, die Geburt Christi, nimmt dabei eine weniger wichtige Rolle ein. Schließlich weiß man schon alles darüber, was man wissen kann und deshalb braucht man es nicht mehr zu besprechen.

Im Himmel hingegen wird dieses große Ereignis jedes Jahr von vielen Engeln diskutiert, und zwar ausgerechnet von jenen, die dabei anwesend waren, deren Gedächtnis aber nach zweitausend Jahren unterschiedlich wichtige Erinnerungen gespeichert hat.

„Wisst ihr noch, wie der Esel im Stall laut geschnarcht hat, als der neugeborene Herr schlafen wollte?“, fragte einer der Engel lachend.

„Das ist doch gar nicht wahr!“, behauptete ein anderer. „Es war das Schaf. Und Maria bat es, leise zu schlafen. Da blöckte es wütend bis es das wunderschöne Antlitz unseres Herrn sah und verstummte.“

„Völliger Unsinn!“, rief ein weiterer Engel. „Ich kann mich noch genau erinnern. Der Esel und das Schaf haben nicht geschlafen. Bei dem hellen Stern am Himmel hätte doch niemand schlafen können. Sie haben zusammen mit dem Ochsen ein Lied für das Baby gesungen.“

Und so stritten sich jedes Jahr kurz vor dem Geburtstag Jesu alle Engel darüber, was an jenem Tag passiert und nicht passiert war. Nur ein junges Engelsmädchen, kaum tausend Jahre alt, wurde dabei immer sehr traurig, weil es dieses wichtige Ereignis nicht miterlebt hatte. Christa wusste nur aus Erzählungen, welche Tiere im Stall von Bethlehem gewesen waren, wie viele Besucher genau gekommen waren, was Maria und Josef gesagt hatten und wie oft das Jesukindlein gelacht hatte. So weinte sie oft bitterlich, weil sie sich ausgeschlossen fühlte und weil sie auch so gerne bei einem großen Wunder dabei gewesen wäre. Nach stundenlangem, einsamem Kummer und Grübeln beschloss sie an einem Adventtag, sich wieder ihrem besten Freund anzuvertrauen – dem Esel Asni. So machte sie sich auf zu den himmlischen Stallungen, in denen die verschiedensten Tiere friedlich zusammen lebten und mehr Heu und Stroh und Gras und Klee zu fressen hatten, als sie jemals zu sich nehmen konnten.

 

„Liebster Asni“, begann Christa schniefend. „Ich bin so traurig.“

„I-Aaaah!“, antwortete der vierbeinige Freund. „Ist es wieder, weil du bei der Geburt des Heilandes nicht dabei warst?“ Er blickte Christa ernst in die rotgeweinten Augen.

„Es ist nicht nur das“, antwortete sie in jammerndem Ton. „Ich hab überhaupt noch kein Wunder erlebt.“

„Das ist doch nicht schlimm“, wollte Asni das Engelsmädchen trösten, doch diese begann von neuem zu weinen. Das Eselchen wartete geduldig, bis es sich wieder beruhigt hatte und ihm antworten konnte: „Die anderen geben immer damit an, dass sie bei Jesu Geburt dabei waren. Sie glauben, sie sind was Besonderes.“ Christa hatte jetzt einen trotzigen Unterton. Asni wollte ihr versichern, dass auch sie etwas Besonderes war, doch Christa ließ ihn nicht zu Wort kommen: „Und irgendwie haben sie auch Recht. Sie haben die Menschheit auf ein großes Wunder vorbereitet. Sie sind manchen erschienen, haben den Geburtsort ausgesucht, haben Maria und Josef beschützt, für den leuchtenden Stern gesorgt und so weiter. Du kennst die Geschichte ja.“ Christa machte eine Pause, die sie zum Naseputzen nutzte. Asni nickte und seine Zustimmung ließ seine langen, spitzen Ohren nach vorne und hinten wippen.

 

Als Christas Nase sauber und ihre Augen nur noch von bereits getrockneten Tränen verklebt waren, fuhr sie fort: „Und seit es mich gibt, ist kein großes Wunder mehr geschehen. Ich fühle mich so nutzlos.“ Das Mädchen schniefte, obwohl die Nase gar nicht mehr rinnen konnte und kraulte Asnis Nacken. „Fühlst du dich nicht auch so?“, fragte sie dann vorsichtig.

„I-Aaaah!“, machte das Eselchen und schüttelte den Kopf. „Nein, ich war ja dabei.“

„Waaas?“ Christa machte einen Sprung zurück. Sie war nun sprachlos und die Stille wurde nur durch das Niesen eines Pferdes unterbrochen, das leider von Zeit zu Zeit unter einem kleinen Heuschnupfen zu leiden hatte.

Und weil Christa auch nach einer Weile noch nichts sagte und nur erstarrt stehen blieb, fragte Asni, ob sie ihm nicht weiter den Nacken kraulen könnte. Dabei streckte er ihr seinen Kopf so entgegen, dass sie die Stelle leicht erreichen und damit diese Aufgabe ohne große Mühe vollbringen konnte.

Da fand der Engel seine Sprache wieder: „Du bist ja noch viel schlimmer als die anderen Engel. Die geben wenigstens zu, dass sie sich als was Besseres sehen, aber du verheimlichst es.“

„Ich wollte dich nicht noch trauriger machen“, antwortete das Tier kleinlaut. „Entschuldige.“

Christa blickte in die dunklen, aufrichtig aussehenden Augen ihres Freundes, sah sein Gesicht mit der langen Nase und den noch längeren Ohren und fühlte, dass sie ihm eigentlich nicht böse sein konnte.

„Du warst der Esel im Stall von Bethlehem?“, fragte sie dann mit sanfter Stimme.

„I-Aaaah!“, nickte Asni. „Und ich hab nicht geschnarcht, wie die Engel erzählen. Ich hab noch nie geschnarcht.“

„Pah!“, machte das niesende Pferd lachend. „Noch nie geschnarcht. So was.“

„Und du?“ Christa wendete sich Asnis Eselfreundin zu, die bisher nur unbeteiligt das frische Gras gemampft hatte.

„Warst du auch bei der Geburt des Herrn dabei?“

„I-Aaaah!“, entgegnete sie. „Nein. Natürlich nicht.“

„Na, da bin ich ja beruhigt“, seufzte Christa erleichtert. „Wenigstens eine, die mein Leid teilt.“

„I-Aaaah!“, begann die Eselfreundin daraufhin. „Ich war der Esel, auf dem Jesus nach Jerusalem geritten ist.“

„Jetzt hab ich aber genug!“, rief Christa wütend. „Ich bin wohl die einzige hier, die noch nie ein Wunder miterlebt hat.“

„Möglich. Haptschi“, meinte das Pferd. „Ich war auf Noahs Arche.“

 

Das Engelsmädchen, das sich nun fühlte, als hätten sie alle Tiere des Stalles niedergetrampelt, wusste nicht mehr, was es noch sagen sollte. Schweigend und sehr frustriert stapfte es aus den himmlischen Stallungen.

„Dann kann ich nur eines tun“, murmelte sie wütend vor sich hin. „Ich muss auch bei einem Wunder dabei sein. Und wenn das Wunder nicht von selbst kommt, dann muss ich wohl für eines sorgen.“

 

Tief grübelnd und aufgrund der Kälte fest in einen dicken Mantel gehüllt, schwebte das Mädchen zur Erde. Welche Art von Wunder konnte es vollbringen? Sie konnte wohl kaum durch einen leuchtenden Stern ein paar Weise zu einem armseligen, doch umso gesegneteren Stall führen. Auch konnte sie keinem Menschen erscheinen, um ihm die Ankunft des Messias zu verkünden, denn das wäre ja gelogen. Doch sie konnte sehr wohl den Menschen seine Anwesenheit ins Gedächtnis rufen. Es wäre zwar kein Wunder in diesem übergroßen Ausmaß wie zweitausend Jahre zuvor, doch wäre es eine gute Tat und sie wäre selbst dabei und würde nicht alles aus Erzählungen erfahren.

 

So war es beschlossen, den Menschen eine frohe Botschaft zu überbringen, die zwar nicht neu, aber doch sicherlich mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten war. Schon bald fand sie eine junge Mutter, die gerade mit dem Kinderwagen einen Spaziergang machte. Im Takt ihrer Schritte summte sie dem Baby ein Liedchen vor. Als sie kurz halten musste, um die Straße zu überqueren und zuvor zu prüfen, ob dies auch ungefährlich war, sah Christa ihre Gelegenheit. Sie schwebte vor dem Kinderwagen auf und ab und wollte ihr gerade die Botschaft übermitteln, als das Baby zu weinen begann, weil durch den verlorenen Takt auch das Liedchen verstummt war und die Mutter keine Zeit mehr für ein Wunder hatte.

 

Nach kurzer Enttäuschung versuchte Christa es bei einem Mann, der gerade in einem Kaufhaus Geschenke aussuchte. Doch auch dieser war so beschäftigt, dass er den zarten Engel nicht wahrnahm und sogar unverschämt durch ihn hindurch hetzte.

 

„Ich muss wohl einen Menschen finden, der gerade irgendwo ruhig sitzt“, dachte Christa und fand diesen auch sehr bald in einem Wirtshaus. Der Mann kauerte halb schlafend auf einer Eckbank und murmelte Unverständliches vor sich hin, während er sich zwischendurch mit lautem Schmatzen selbst unterbrach, um dann mit seinen Erzählungen wieder fortzufahren, denen niemand lauschte. Christa setzte sich zu ihm und begann: „Hab keine Furcht. Ich bin ein Engel und teile dir mit, dass Jesus bei dir ist.“

„Waaas? Hicks“, lallte der Mann. „Was bist du? Ein Engel?“ Er blickte verwirrt drein, bevor er dem Wirt zurief: „Karl, jetzt ist Schluss mit Trinken. Hicks. Gestern hab ich rosa Elefanten gesehen. Das ist ja noch normal. Aber jetzt seh ich schon Engel. Hicks.“

„Na, da bin ich ja gespannt“, antwortete der Wirt lachend.

 

Christa jedoch war kaum zum Lachen zumute, aber sie gab den Mut noch nicht auf. Als nächstes suchte sie sich eine Frau, die in einem Krankenhausbett nach einer Operation soeben aus ihrer Narkose erwachte. Sie sagte zu ihr: „Hab keine Furcht. Ich bin ein Engel und teile dir mit, dass Jesus bei dir ist.“

Die Frau plötzlich hellwach, riss entsetzt die Augen auf: „Bin ich tot?“

„Nein“, beruhigte sie der Engel. „Ich wollte dir nur …“

„Oh, nein!“, rief die Frau verstört. „Ich bin tot. Wie konnte das passieren? Das war doch nur ein kleiner Eingriff.“ Da nach mehreren Versuchen Christa die Frau nicht beruhigen konnte, schwebte sie frustriert davon.

 

Kurz dachte sie daran aufzugeben, doch dann überlegte sie, dass das Erscheinen wahrscheinlich aus der Mode gekommen war. Plötzlicher Stolz überkam Christa, als ihr klar wurde, dass sie als so junger Engel selbstverständlich sofort den Trend der Zeit aufnehmen konnte. Das würde all den alten Engeln im Himmel sicher nicht so leicht gelingen.

 

So hatte sie neuen Mut geschöpft, als sie auf der Straße eine junge Frau sah, die gerade mit ihrem Handy telefonierte und so in ein Gespräch vertieft war, dass sie das Verkehrsschild vor sich nicht bemerkte und direkt und raschen Schrittes darauf zusteuerte. Die Gefahr sofort erkennend und ohne zu zögern, schubste Christa die junge Frau leicht zur Seite, um einen Zusammenstoß zu vermeiden und ihr so womöglich eine Gehirnerschütterung zu ersparen. Dabei rutschte die Frau auf dem winterlich glatten Gehweg aus und landete in einem schmutzigen Schneehaufen am Straßenrand.

„So ein Mist!“, schimpfte sie. „Jetzt bin ich ganz nass und schmutzig.“ Wütend über dieses Vorkommnis fluchte die Frau laut vor sich hin, anstatt das Wunder zu bemerken, das ihr Christa soeben mit den besten Absichten geschenkt hatte.

 

Es war offenbar schwieriger als sie gedacht hatte, die Menschen glücklich zu machen und sie über ein, wenn auch nur kleines Wunder, staunen zu lassen. Das war harte Arbeit und während Christa nachdachte, ob sich dieser Aufwand überhaupt lohnen würde, schwebte sie an einem großen, schönen Haus vorbei. Ein Mann kam gerade aus der Tür und schritt zu seinem Wagen. Eine Frau erschien im Türrahmen und fragte mit besorgter Stimme: „Du willst doch bei diesem Wetter nicht mit dem Auto fahren? Die Straßen sind spiegelglatt und der Weg ist nicht so weit. Du kannst doch auch zu Fuß unseren Sohn vom Kindergarten abholen.“

„Pah!“, machte der Mann. „Das fehlt noch, dass ich bei dieser Kälte einen Spaziergang machen muss.“

Doch Christa sah, wie die Straße vor Glatteis glänzte und sorgte sich sogleich nicht nur um das Leben des Mannes, sondern auch um das des jungen Sohnes, den er abholen wollte. Deshalb hinderte sie den Motor des Wagens daran anzuspringen.

„Was ist denn mit diesem Mistauto los!“, schimpfte der Mann. „Spring endlich an oder ich lasse dich verschrotten.“

Christas Tatendrang schrumpfte und hinterließ in ihr ein Gefühl völliger Nutzlosigkeit. Konnte man denn auf dieser Welt nicht ein kleines Wunder vollbringen, ohne ignoriert oder beschimpft zu werden?

 

Da fiel ihr plötzlich ein kleines Mädchen, nicht älter als sieben Jahre, auf der anderen Straßenseite auf. Sie trug eine viel zu große Schultasche auf ihrem Rücken und schlitterte lachend und mit „Hui“-Rufen über den glatten Gehweg wie auf einem gefrorenen See. Das Kind hatte dabei eine solche Freude, dass Christa sofort mit ihr lachte, bis sie bemerkte, dass es auf einen größeren Stein zusteuerte, der es wahrscheinlich zum Stürzen bringen würde. Christa konnte dabei nicht zusehen und bremste das Mädchen, indem sie es mit beiden Händen festhielt. Das Kind sah verwirrt zu Boden und bemerkte den Stein.

„Oh, da hätt ich ein blutiges Knie gehabt“, seufzte sie dann erleichtert. Dann sah sie Christa direkt an. „Danke, lieber Engel, dass du mich beschützt hast.“

 

Christa war so froh über diese Worte, dass sie ganz aufgeregt in den Himmel zurück flog, um den anderen von ihrem Wunder zu berichten. Doch anstatt sich mit ihr zu freuen, lachten die älteren Engel nur und meinten: „Das war doch kein Wunder! Da merkt man, dass du nie ein richtiges Wunder erlebt hast. So was Lächerliches!“

 

Bis zum Abendessen, als sich alle Engel im großen Speisesaal versammelten, hatte scheinbar das gesamte Himmelreich von ihren unnützen, lächerlichen Taten gehört, denn alle tuschelten oder lachten, als sie hereinkam. Christa setzte sich an einen Esstisch und starrte verschämt auf die Tischplatte. Sie beschloss gerade, dass sie keinen Hunger hatte und deshalb den Speisesaal gleich wieder verlassen konnte, als es mit einem Schlag still wurde. Man konnte nur hie und da jemanden Flüstern hören: „Schau! Der Chef persönlich ist da! Was macht er denn hier?“

Das traurige Engelsmädchen sah auf, nicht weil es neugierig geworden war, was das gemeine Gelächter der anderen verstummen ließ, sondern weil es auf einmal eine besondere Wärme spürte. Und als es dann das sanft lächelnde Gesicht Jesu sah und ihr kleines Herz voll Freude über diesen Anblick wild zu schlagen begann, hörte es ihn fragen: „Wo ist das besondere Engelsmädchen, das die Menschen glücklich machen wollte?“

Alle Augen richteten sich sofort auf Christa, was ihr sehr unangenehm war und eine scheue Röte ins Gesicht trieb, wodurch sie den Kopf schüchtern senkte. Jesus ging langsam auf sie zu und nichts als seine Schritte waren in dem Saal zu hören. Er trug aus Gewohnheit immer noch sein langes Leinenkleid, nur die Sandalen mussten im Winter durch warme Stiefeln ersetzt werden. Weil Christa ihren Blick nicht zu ihm erheben wollte, ging er vor ihr in die Hocke und hob sanft ihr Kinn, damit sie ihm in die Augen sehen konnte.

„Es war wundervoll, was du getan hast“, sagte er und mit

einem Mal stellte sich bei Christa ein Gefühl der Glückseligkeit ein, das ihr die Freudentränen so schnell über die Wangen liefen, als befürchteten diese, sonst eingefangen zu werden.

„Lass die anderen ruhig lachen“, fuhr er dann fort. „Es wird immer welche geben, die über gute Taten lachen.“

„Zuerst hab ich es gemacht, weil ich selbst ein Wunder miterleben wollte“, gestand sie.

„Das hat sich aber bald geändert“, antwortete Jesus gutmütig.

Christa nickte: „Aber den meisten Menschen hat es gar nichts gebracht. Es war Zeitverschwendung.“

„Und ich versichere dir, dass es niemals Zeitverschwendung ist, anderen Gutes zu tun. Nicht immer merkt man gleich, was es gebracht hat. Die junge Mutter hat dich zwar nicht bemerkt, aber vielleicht das Baby. Und der gehetzte Mann hat etwas von deiner liebevollen Energie aufgenommen, als er durch dich hindurch gegangen ist. Das hat ihn ein bisschen weniger mürrisch gemacht“.

„Aber den Mann im Wirtshaus und die Frau im Krankenhaus hab ich erschreckt“, entgegnete Christa, doch Jesus schüttelte leicht den Kopf und fuhr dann fort: „Wenn der Mann nun wirklich weniger trinkt, hast du ihm sogar sehr geholfen. Und der Frau wurde bald klar, dass sie noch am Leben und eine besondere Erscheinung von einem ganz besonderen Engel gehabt hat.“

Christa lächelte verlegen, während Jesus weiter sprach: „Die Frau, die in den Schneehaufen gefallen war, erkannte schnell, dass der Schmutz auf der Kleidung sie vor einem schmerzhaften Zusammenstoß bewahrt hat. Auch der Mann mit dem Auto bemerkte erst, als er zu Fuß ging, wie gefährlich das Fahren hätte sein können und war sehr dankbar für das Versagen seines Wagens.“

„Wirklich?“, fragte das Engelsmädchen scheu. Jesus nickte lächelnd: „Und dass sich das kleine Mädchen, dem du das aufgeschundene Knie erspart hast, auf ewig an dich erinnern wird, das brauche ich dir wohl nicht extra zu sagen.“

Jesus erhob sich wieder und sagte mit lauter, machtvoller Stimme, die auch in der hintersten Ecke des Speisesaals gut vernommen werden konnte: „Dieser junge Engel hat meine Botschaft besser verstanden als all jene unter euch, die sie damals selbst mit angehört haben, als ich sie der Welt verkündete.“

Alle Engel im Saal senkten verschämt den Kopf, nur Christa erhob nun das Kinn und blickte stolz dem Herrn nach, der den Speisesaal wieder verließ, doch das warme Licht, das er in ihr entzündet hatte, zurückließ.

 

Diese Rüge hatte genügt, um den Engeln ihre Aufgaben wieder ins Gedächtnis zu rufen. Gleich nach dem Essen machten sich alle auf, um auf der Erde den Menschen zu helfen. Das war zwar meist nur durch kleine Gesten möglich, doch ein junges Engelsmädchen hatte ihnen gezeigt, dass auch kleine Gesten große Wunder sein können.

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